Subito!ImprovisationsTheater beim Osterlunch in Otzenhausen
„Das Denken ist der Anfang allen Übels!“
Ausgerechnet an einem Ort wie der Europäischen Akademie Otzenhausen servierte das Wiesbadener Subito!ImprovisationsTheater diese steile These zu Beginn des ausverkauften „Frühlingsbunten Osterlunches“ am 22. März 2026. Das Team der Akademie und der Stiftung europäische Kultur und Bildung nahm’s gelassen – es wusste eh nicht, was auf es zukam. Das Besondere an diesem Vormittag: Es gab kein festes Skript. Was auf der Bühne passierte, lag allein in der Hand der Zuschauer. Die Schauspieler schoben die Verantwortung augenzwinkernd ab: „Es liegt nur an Ihnen, wenn’s nichts wird!“
Doch es wurde etwas: Das Trio Helga Liewald, Bernhard Mohr und Henriette Konschill lief gemeinsam mit dem Gitarristen Marek Herz zu Hochform auf. In Sekundenschnelle verwandelten sie Zurufe aus dem Publikum in skurrile, witzige und packende Szenen. Getreu ihrem Namen „Subito!“ (italienisch für „sofort“) jonglierten sie mit Worten und Emotionen, immer geistreich und stets im direkten Austausch mit den Gästen.
Von Seitensprüngen und Napoleon in Nonnweiler
Besonders beeindruckte das Ensemble mit ebenso lebensnahen wie unkonventionellen Ratschlägen. So wurde etwa eindrucksvoll demonstriert, warum ein geplanter Seitensprung völlig aus dem Ruder laufen kann – etwa, wenn sich die Gattin unverhofft in die Geliebte in spe verguckt. Das trockene Fazit auf der Bühne: „Da erlebst du mal was anderes.“
Auch die Geschichtsbücher mussten an diesem Vormittag neu geschrieben werden. Auf den Publikumsimpuls „1800 im Saarland“ schickten die Akteure Napoleon höchstpersönlich durch die Gemeinde Nonnweiler. Völlig unbeeindruckt von historischen Fakten fantasierte Bernhard Mohr über die Tücken der damaligen Infrastruktur: Auch im 19. Jahrhundert gab es in Otzenhausen offenbar schon Straßenbauarbeiten, und fast wäre der Kaiser deshalb im St. Wendeler Land hängengeblieben. Immerhin fand er vor Ort seine Joséphine. Die zierte sich zwar zunächst, zog dann aber doch an der Seite des großen Franzosen weiter. Ein Stimmungsumschwung mit Folgen für die Gegenwart: Als kleiner Tipp für die aktuelle Namensgebung wurde die Gemeinde „Non“-weiler konsequent in „Si“-weiler umbenannt.
Die Erleuchtung am Hunnenring
Zu Hochform lief Helga Liewald auf, als sie ein fiktives Wort aus dem Publikum erraten und in eine Geschichte einbauen musste: die „Schwenkerselbstdrehmaschine“. Dass die Wiesbadenerin das Wort „Schwenker“ nicht kannte und trotzdem auf die Lösung „Schaukelgrill mit solarbetriebenem Motor“ kam, erforderte wahre Geistesblitze. Die Erleuchtung kam – passend zur Region – glücklicherweise von ganz oben: Ein Lichtstrahl ereilte sie auf dem Hunnenring von Otzenhausen, und da ihr Hunger ohnehin groß war, fügte sich eins zum anderen.
Harte Arbeit hinter der Leichtigkeit
Was für das Publikum nach spielerischer Leichtigkeit aussah, ist in Wahrheit das Ergebnis jahrelangen Trainings. „Natürlich müssen wir üben und trainieren, auch wenn auf der Bühne alles spontan geschieht. Wir üben daher nicht Szenen, sondern die Regeln dahinter“, erklärte Bernhard Mohr nach dem Auftritt.
Das Fundament ihres Erfolgs sei das „Prinzip Ja“. Es bedeutet, jede Idee des Mitspielers bedingungslos anzunehmen, positiv zu bleiben und aus dem Impuls des anderen etwas Gutes zu machen – auch wenn man selbst einen ganz anderen Plan im Kopf hatte. „Wir fordern uns nicht gegenseitig heraus, sondern lassen den anderen gut aussehen“, so Mohr. Achtsamkeit, Vertrauen und innere Freiheit seien die Zutaten für diese Kunstform.
Der Erfolg gibt den Wiesbadenern recht: In 23 Jahren hat das Ensemble rund 2300 Auftritte absolviert, und einen davon in der Europäischen Akademie Otzenhausen. Er wird den Gästen sicher noch lange als ein Beispiel für schlagfertige Unterhaltung in Erinnerung bleiben.






