„Solche Geschichtslehrer hätte man haben sollen!“
Europäische Akademie Otzenhausen lud ein zur Langen Nacht der Demokratie
„Solche Geschichtslehrer hätte man haben sollen“, seufzte eine Besucherin gegen Ende des Abends wohlig-bedauernd auf. Gegen die geballte Konkurrenz wäre so mancher Lehrer allerdings machtlos gewesen: Es passiert schließlich nicht alle Tage, dass EU-Pioniere wie Konrad Adenauer oder Simone Veil den Gästen persönlich erklären, warum sie nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit aller Kraft auf die Einigung Europas hinarbeiteten.
Bundesweit und erstmals auch im Saarland wurde am 2. Oktober die Lange Nacht der Demokratie mit zahlreichen Aktionen gefeiert. Für „Adenauer & Co.“ war dies der perfekte Anlass, an der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO) quasi wieder aufzuerstehen. „Wir wollen Geschichte aus dem Blickwinkel der beteiligten Personen erlebbar machen“, erläuterte Stéphanie Bruel aus der EAO-Geschäftsführung das Konzept. Ziel sei es gewesen, Hürden abzubauen, ins Gespräch zu kommen und die Themen Europa und Demokratie leicht verständlich und zugänglich zu gestalten. Denn die Demokratie gehört zu den gelebten Kernwerten der Akademie.
Ein Streifzug durch die europäische Geschichte
Dafür hatte das Team der Akademie eine bunte Mischung aus Unterhaltung, Politik und Geschichte vorbereitet. Das Highlight waren die interaktiven Führungen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EAO schlüpften in die Rollen der europäischen Gründungspersönlichkeiten und nahmen die Gäste mit auf eine Zeitreise durch die wichtigsten Etappen der EU. Bei Sekt und Häppchen feierte Robert Schuman höchstpersönlich mit den Gästen eine „EU-Gründungsparty“ am 9. Mai 1950 und stellte seinen historischen „Schuman-Plan“ vor, der den Grundstein für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) legte.
Danach ging es Schlag auf Schlag: Ein fast echter „Konrad Adenauer“ legte seine geliebten Rosen beiseite, um die EU-Erweiterungen bis 1979 und die ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament zu erklären. Die griechische Kulturministerin „Melina Mercouri“, Begründerin des Konzepts der europäischen Kulturhauptstädte, erinnerte daran, dass Europa mehr als Politik und Wirtschaft ist: „Europa ist kein Ort auf der Karte. Kultur baut Brücken statt Mauern im Kopf.“ An der nächsten Station blockierte plötzlich ein „Grenzbeamter“ den Weg – ohne Papiere kein Weiterkommen! Dass dieser Stopp heute der Vergangenheit angehört, verdanken die Bürgerinnen und Bürger dem Schengener Abkommen von 1985. Die Zeitreise machte deutlich: Was oft in bisweilen trockene Verträge gegossen wird, sichert bis heute Frieden, Menschenrechte, Reisefreiheit, wirtschaftliches Wohlergehen und vieles mehr.
Konstruktive Kritik und starkes Fundament
Auch wenn der Spaß im Vordergrund stand, war die Veranstaltung keine reine Wohlfühl-Zone. Es ging um echten, kritischen Austausch. An den Stationen thematisierten die Gäste auch unbequeme Fragen: „Was macht die EU eigentlich konkret für mich?“ war dabei ebenso Thema wie ungleiche Bezahlung in verschiedenen Branchen und die Tatsache, dass Bildungserfolg in Deutschland noch immer zu stark von der Herkunft abhängt. Gleichzeitig formulierten die Teilnehmenden, was sie an einer Demokratie schätzen: Toleranz, Meinungsfreiheit, Minderheitenschutz, Gleichberechtigung und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel.
So bot die Akademie ein Generationen verbindendes Programm voller Entdeckungen. Eine Demokratie-Rallye über den gesamten EAO-Campus, kreative Bastelaktionen für Kinder, Live-Musik mit Manuel Sattler, ein Schachparcours und ein Pub-Quiz rundeten den Abend ab und zeigten, wie lebendig Demokratie sein kann.
Partner der Langen Nacht der Demokratie in Otzenhausen:
- Europäische Akademie Otzenhausen gGmbH
- ASKO Europa-Stiftung und
- Stiftung europäische Kultur und Bildung






